Die Galerie konsum163 Contemporary präsentiert mit prompt: space. eine Ausstellung des Künstleres Gregor Stehle, die sich in vier aufeinander bezogenen Räumen entfaltet. Jeder dieser Räume steht für einen eigenständigen gedanklichen und sinnlichen Ansatz – zusammen machen sie Stehles zentrales Thema erfahrbar: Raum nicht als Hintergrund, sondern als eigentliche Substanz von Wahrnehmung. Der Titel prompt: space. greift bewusst einen Begriff aus dem digitalen Kontext auf. Ein „Prompt“ bezeichnet dort eine Eingabe, die virtuelle Bildwelten erzeugt. Stehle übernimmt dieses Wort, überträgt es jedoch in die physische Realität. Hier wird nichts simuliert oder generiert. Raum entsteht durch Setzung, Material, Licht und durch die Präsenz der Betrachtenden selbst. Der Untertitel „Raumräume“ – ein bewusst poetisches Kunstwort – beschreibt dieses Programm: Räume, die Raum zum Thema haben. Stehles Ansatz steht in einer kunsthistorischen Linie, die seit der Moderne die Bedingungen von Kunst selbst untersucht. Die Minimal Art reduzierte Form auf elementare Setzungen im Raum, die Arte Povera arbeitete mit unmittelbarem Material, Künstler wie James Turrell machten Licht und Wahrnehmung zum eigentlichen Werk. Auch hier geht es nicht um Abbildung, sondern um Erfahrung.
Raum eins führt zu den Grundlagen der Malerei zurück: grundierte Leinwand, Keilrahmen, farbiges Tape, Wand und Fläche. Die Serie „Raumräume“ macht sichtbar, dass Malerei immer schon ein Verhältnis von Bildfläche und realem Raum ist. Das Bild endet nicht am Rand der Leinwand – es steht im Dialog mit der Architektur.
Raum zwei, das sogenannte Klavierzimmer, ist begehbar. Hier verdichtet sich Raum zur Situation. Körper, Klangassoziation und Präsenz lassen eine fast intime Atmosphäre entstehen. Raum wird nicht betrachtet, sondern betreten.
Raum drei versammelt zwölf Zeichnungen unter dem Titel „Entwürfe einer Ausstellung“ sowie das Künstlerbuch „Buch der Räume“. Wie bei Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ geht es um Übersetzung – jedoch nicht von Bild zu Musik, sondern vom Werk in die Vorstellung. Das Buch wird zur „lesbaren Architektur“: Die Räume entstehen im Inneren der Betrachtenden. Wahrnehmung selbst wird zum Medium.
Der vierte Raum öffnet schließlich einen existenziellen Horizont. Naturerfahrung – etwa die Weite einer Vollmondnacht – erscheint hier nicht als romantisches Motiv, sondern als Erfahrung von Raum-Sein. Raum wird zur Sphäre, zum Gegenüber.
In allen vier Räumen verschiebt sich der Fokus: Nicht das einzelne Objekt steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie wir uns im Raum verorten.
Die Galerie konsum163 Contemporary lädt dazu ein, diese aufeinander bezogenen Erfahrungsräume zu durchschreiten – und Raum als Beziehung zu begreifen: zwischen Werk, Architektur und dem eigenen Dasein.