Mela Diamant, Thomas Röpke, Petra Schott und Miriam Steinberg
08. Oktober bis 30. Oktober 2026
Ein weißer Raum. Und plötzlich wird alles möglich.
Ein Wal schwebt in der Luft. Auf dem Boden breiten sich schwarze Formen wie Inseln aus. Leuchtende Skulpturen behaupten ihre eigene Ordnung. Malerei öffnet Räume, Licht bekommt eine beinahe körperliche Präsenz. Alles erscheint deutlich sichtbar – und bleibt doch rätselhaft.
Mit NEW WUNDERKAMMER verwandelt sich konsum163 – contemporary in einen Ort zwischen Wirklichkeit und Imagination. Weiße Wände und ein durchgehend weißer Teppich lösen den Raum aus seiner alltäglichen Vertrautheit. Es entsteht eine stille, beinahe entrückte Atmosphäre, in der jede Farbe, jede Kontur und jede Verschiebung der Größenverhältnisse umso intensiver wirkt. Der Blick findet Ruhe. Und gerät gerade dadurch ins Staunen.
Die Ausstellung greift die Idee der historischen Wunderkammer auf und gibt ihr eine überraschende räumliche Form. Die Lust am Außergewöhnlichen, an unerwarteten Nachbarschaften und am Entdecken entfaltet sich hier in Weite und Klarheit. Das Weiß lässt den Werken Raum, ihre Fremdheit, Schönheit und Eigenwilligkeit zu entwickeln. Es wird zur Bühne für Dinge, die sich zeigen, ohne ihr Geheimnis preiszugeben.
Den Ausgangspunkt bildet der monumentale Wal der Wiener Künstlerin Mela Diamant. Im weißen Raum scheint er aus einer anderen Wirklichkeit aufzutauchen. Sein gewaltiger Körper schwebt über dem Boden, als hätten Gewicht und Schwerkraft für einen Augenblick ihre Verbindlichkeit verloren. Die vertraute Architektur der Galerie wird zum Schauplatz einer unwahrscheinlichen Begegnung: Man steht vor einem Wesen der Meerestiefe und begegnet ihm auf Augenhöhe. Zwischen Größe und Verletzlichkeit, körperlicher Präsenz und traumhafter Leichtigkeit verändert der Wal das Gefühl für den gesamten Raum.
Unter ihm und in seiner Nachbarschaft setzen schwarze, amorphe Bodenflächen einen entschiedenen Kontrast. Ihre fließenden Umrisse gliedern das Weiß und markieren die Bereiche der Skulpturen gegenüber den gemalten Bildern. Auf diesen Inseln erheben sich schwarze Podeste, die den farbigen Arbeiten von Thomas Räpke ihren Platz geben.
Räpke, auch als „Eisenhans“ bekannt, entwickelt aus schwarzem Eisen, Messing und Aluminium Skulpturen und Objekte mit einer unverwechselbaren konstruktiven Ordnung. Rechtwinklige, zellenartige Strukturen verbinden sich zu Gefügen, in denen das Metall ebenso wirksam wird wie die offenen Räume dazwischen. Für NEW WUNDERKAMMER zeigt er seine Objekte erstmals in leuchtenden Farben, begleitet von ebenso farbintensiven Wandbildern. Damit erhält seine Formensprache eine neue sinnliche Dimension. Die Farbe verändert das empfundene Gewicht, betont einzelne Verbindungen und lässt vertraute Strukturen überraschend fremd erscheinen. Über den schwarzen Inseln entwickeln die Arbeiten eine fast elektrische Präsenz – präzise gebaut und zugleich voller spielerischer Energie.
Petra Schott zeigt kraftvolle figurative Arbeiten und neue, bislang unveröffentlichte Bilder, in denen sie ihre malerische Sprache weiter erkundet. Figuren, gestische Spuren und intensive Farbsetzungen treffen aufeinander, verdichten sich und lassen zugleich Raum für das Unbestimmte. Zwischen körperlicher Präsenz und malerischer Auflösung entsteht eine Spannung, die unmittelbar berührt. Im stillen Weiß der Wunderkammer entfalten diese Werke eine besondere Wucht: menschlich, sinnlich und voller innerer Bewegung. Die Ausstellung eröffnet damit einen ersten Blick auf jüngste Entwicklungen ihres Schaffens – auf Bilder, in denen sich Vertrautes wandelt und Neues gerade erst Gestalt annimmt.
Miriam Steinbergs „Fotones“ führen diese Offenheit in die Wahrnehmung des Lichts weiter. Licht wird zum Thema und zum bildnerischen Material ihrer fotografischen Arbeiten. Zwischen physikalischem Phänomen und poetischer Erscheinung entstehen Bilder, deren Wirkung sich mit der Aufmerksamkeit der Betrachtenden entfaltet. Was zunächst greifbar erscheint, entzieht sich einer eindeutigen Zuordnung. Sehen wird zu einem tastenden Vorgang – zu einer Begegnung mit etwas, das zwischen Sichtbarkeit und Vorstellung liegt.
Die vier künstlerischen Positionen verändern einander durch ihre Nachbarschaft. Neben dem schwebenden Wal wirken Maßstäbe plötzlich unsicher. Die leuchtenden Metallgefüge setzen der Stille des Raumes ihre Energie entgegen. Malerei und Fotografie öffnen innerhalb der weißen Architektur weitere, imaginäre Räume. Zwischen ihnen entstehen Blickachsen und Beziehungen, die sich mit jedem Schritt verschieben.
So wird die Wunderkammer zu einem Ort, an dem die Klarheit der Umgebung das Geheimnis der Dinge verstärkt. Man kann sich nähern, zurücktreten, verweilen und den eigenen Assoziationen folgen. Das Außergewöhnliche braucht hier keine verborgenen Winkel. Es steht offen vor uns, im hellen Raum – und lässt sich doch nie ganz erfassen.
NEW WUNDERKAMMER gibt dem Staunen einen Ort. Vielleicht auch jener Neugier, mit der wir als Kinder auf Dinge geschaut haben, für die uns noch die Worte fehlten. Ein weißer Raum wird weit genug für einen Wal, für leuchtende Konstruktionen, für menschliche Präsenz und Licht. Und für die wunderbare Möglichkeit, den eigenen Augen einen Moment lang nicht ganz zu trauen.
02. November bis 26. November 2026
Kunst will geliebt werden. Und natürlich auch gekauft.
ART. MONEY. LOVE. handelt von dem merkwürdigen Verhältnis zwischen Kunst, Begehren und Geld. Wir geben Geld für Autos aus, für Reisen, Mode, Möbel oder einen besonderen Abend – und bei Kunst beginnen wir plötzlich darüber nachzudenken, ob sie ihren Preis „wert“ ist. Dabei beginnt Kunst vielleicht genau dort, wo sich Wert nicht mehr berechnen lässt. Ein Kunstwerk erfüllt keinen notwendigen Zweck. Wir brauchen es nicht – und können es trotzdem unbedingt haben wollen. Weil es uns berührt, irritiert, herausfordert oder weil wir einfach nicht mehr aufhören möchten, es anzusehen. Die Ausstellung bringt unterschiedliche künstlerische Positionen zusammen und stellt eine einfache Frage: Was ist uns Kunst wert, wenn wir sie wirklich haben wollen Damit führt ART. MONEY. LOVE. auch zu einer zweiten Frage: Warum sammeln Menschen Kunst?
Sammeln bedeutet mehr als Besitzen. Eine Sammlung entsteht über Jahre, manchmal über ein ganzes Leben. Sie erzählt von Begegnungen, Entscheidungen und Entdeckungen. Von Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeit man begleitet, und von Werken, mit denen man lebt. Sammlerinnen und Sammler sind deshalb nicht nur Käufer. Sie sind ein wesentlicher Teil jenes Kreislaufs, der Künstlern ermöglicht, weiterzuarbeiten und ihre Arbeit weiterzuentwickeln. Vielleicht bekommt dieser Gedanke gerade heute eine neue Bedeutung. In einer Zeit, in der Bilder in unendlicher Menge entstehen, digitale Welten immer schneller werden und künstliche Intelligenz zunehmend verändert, wie Bilder produziert und wahrgenommen werden, kann ein reales Kunstwerk etwas erstaunlich Beständiges sein. Es ist physisch da. Es hat eine Geschichte, ein Material, eine Oberfläche, eine Herkunft. Und es begleitet uns. Gerade für eine jüngere Generation könnte darin auch eine Einladung liegen: Man muss nicht irgendwann „Sammler werden“. Man kann einfach anfangen. Mit einem ersten Werk, einer ersten Entscheidung, einer ersten Begegnung, die bleibt. Sammeln muss keine Frage von Status oder großem Vermögen sein. Es beginnt mit Interesse, Neugier – und vielleicht mit dem Wunsch, etwas von der eigenen Zeit festzuhalten. Und weil Kunst nicht nur betrachtet, sondern auch gekauft werden darf, verändert sich die Ausstellung während ihrer Laufzeit: Was verkauft ist, darf gehen. An der Wand bleibt eine Lücke. Andere Werke bekommen plötzlich neue Nachbarn, Blickachsen verändern sich, Räume werden leerer. Der Verkauf wird nicht versteckt, sondern sichtbar Teil der Ausstellung.
ART. MONEY. LOVE. spricht damit offen über etwas, das im Kunstbetrieb gern im Hintergrund bleibt: Kunst hat einen Preis. Künstler müssen von ihrer Arbeit leben können. Galerien müssen verkaufen. Sammler ermöglichen, dass Werke ihren Weg aus dem Atelier in die Welt finden. Aber Preis und Wert sind nicht dasselbe. Am Ende geht es vielleicht weniger ums Geld als um die Entscheidung, womit wir leben wollen.
01. Dezemberbis 23. Dezember 2026
ERST EINS, DANN ZWEI, DANN DREI, DANN VIER…
… und irgendwann steht das Christkind vor der Tür. So weit, so vertraut. Aber bevor es so weit ist, gibt es diese Zeit, in der wir beschlossen haben, die Dinge ein wenig auf den Kopf zu stellen. Wörtlich sogar. Ein Weihnachtsbaum hängt kopfüber von der Decke. Was zunächst wie eine absurde Umkehrung aussieht, ist historisch gar nicht so abwegig. Vor allem aber ist es für uns ein ziemlich gutes Bild dafür, was Kunst kann: die Perspektive verändern. Gewohntes umdrehen. Sicherheiten kurz außer Kraft setzen. Und aus etwas Bekanntem plötzlich etwas machen, das wir wieder neu ansehen müssen. Denn vielleicht ist genau das eine ziemlich gute Beschäftigung für den Advent. Nicht noch mehr Besinnlichkeit. Nicht noch mehr Tannengrün, Goldstaub und vorweihnachtliche Gewissheiten. Sondern Neugier. Lust. Widerspruch. Humor. Schönheit. Irritation. Und die Freiheit, einen Gedanken einfach einmal andersherum zu denken. ERST EINS, DANN ZWEI, DANN DREI, DANN VIER ist deshalb keine Weihnachtsausstellung. Die Arbeiten müssen nichts vom Advent erzählen, keinen Tannenbaum zitieren und schon gar keine Geschenkidee illustrieren. Sie dürfen laut oder leise sein, ernst oder komisch, schön, sperrig, klug, absurd oder vollkommen unerwartet. Was sie verbindet, ist etwas anderes: die Lust am Sehen und am Entdecken. Die Möglichkeit, für einen Moment aus dem Gewohnten herauszutreten. Und natürlich darf man Kunst zu Weihnachten verschenken. Vielleicht sogar gerade dann. Aber bitte nicht, weil man noch dringend etwas braucht. Sondern weil man etwas gefunden hat, mit dem niemand gerechnet hat. Erst eins. Dann zwei. Dann drei. Dann vier. Und bis dahin stellen wir die Dinge einfach ein bisschen auf den Kopf.
01. Januar bis 28. Januar 2027
THE LAST CURTAIN
Irgendwann fällt jeder Vorhang. Unserer fällt Ende Januar in der Schellingstraße. THE LAST CURTAIN ist die letzte Ausstellung von konsum163 an diesem Ort – und gleichzeitig der Anfang von etwas Neuem. Wir verlassen Räume, die uns ans Herz gewachsen sind: die großen Fenster, die hohen Wände, das Licht, die Lage mitten im Kunstareal und all die Begegnungen, Gespräche, Vernissagen und Geschichten, die hier stattgefunden haben. Das fällt uns nicht ganz leicht. Aber wir gehen nicht, um weniger zu machen. Wir gehen, weil wir mehr vorhaben. konsum163 bleibt im Viertel, verändert sich und wächst weiter. Der neue Standort wird uns Möglichkeiten geben, die wir in der Schellingstraße nicht hatten: mehr Platz für Kunst, zusätzliche Präsentationsflächen, ein eigenes Lager und vor allem mehr Freiheit, Arbeiten zu zeigen, miteinander zu kombinieren und unseren Besucher:innen und Sammler:innen Kunst noch unmittelbarer zugänglich zu machen. Auch unser Galeriekonzept wird sich erweitern. Wir wollen ausprobieren, neue Formen der Präsentation entwickeln und noch mehr Möglichkeiten schaffen, Kunst zu entdecken, anzusehen, kennenzulernen und natürlich auch zu sammeln. THE LAST CURTAIN soll deshalb keine melancholische Abschiedsausstellung werden. Ganz im Gegenteil. Wir wollen diesen letzten Auftritt in der Schellingstraße feiern. Mit Kunst, mit neuen Positionen und mit Künstler:innen, die Teil dessen sein werden, was danach kommt. Die Ausstellung gibt damit bereits einen ersten Blick auf das nächste Kapitel von konsum163. Spätestens im April öffnet sich der Vorhang wieder – an unserem neuen Standort, mit einer neuen Ausstellung, neuen Möglichkeiten und ziemlich vielen Ideen. Aber vorher möchten wir noch einmal genau hier zusammenkommen. Mit den Menschen, die unsere Galerie begleitet haben, mit alten und neuen Freund:innen, Sammler:innen, Künstler:innen und allen, die neugierig auf Kunst sind. Noch einmal Schellingstraße. Noch einmal diese Räume. Noch einmal diese großen Fenster. Und eine letzte Ausstellung, die eigentlich schon die erste der nächsten Geschichte ist. The curtain falls. The story continues.













