Fabian Dehi, Mela Diamant, Diana Drubach, Götz Friedewald, Sandra Gutsche, Claudia Hassel, Irina Heinzelmann, Elli Hurst, Angela Larotonda, Brigitte Puschmann, Thomas Räpke, Ruth Schleeh, Petra Schott.
26. Mai bis 22. Juni 2026
Mit dem Format WILDE MISCHUNG verfolgt die konsum163 contemporary art gallery seit mehreren Jahren ein offenes Ausstellungskonzept, das bewusst auf feste Kategorien verzichtet. Unterschiedlichste künstlerische Positionen treffen in einer dichten Petersburger Hängung direkt aufeinander und erzeugen unerwartete Dialoge zwischen Malerei, Fotografie, Skulptur und experimentellen Arbeiten. Gezeigt werden Künstlerinnen und Künstler, die neu innerhalb des kuratorischen Kosmos der Galerie sind — unabhängig von Alter, Herkunft oder Marktzugehörigkeit. Entscheidend ist allein die Eigenständigkeit der künstlerischen Haltung. Kunsthistorisch knüpft WILDE MISCHUNG sowohl an historische Salonhängungen als auch an heutige Off-Space- und Experimentalformate an. Die Ausstellung versteht sich als offenes Versuchsfeld für Wahrnehmung, Resonanz und künstlerische Entdeckungen. Einige Positionen entwickeln sich aus diesem Kontext langfristig weiter und werden Teil des Galerieprogramms.
Neue perspektiven mit Arbeiten von
Tobias Degel, Trisha Kanellopoulos, Christine Loew, Tobi Olsen und Brigitte Puschmann.
26. Juni bis 23. Juli 2026
Es gibt Ausstellungen, die ihre Gemeinsamkeiten demonstrieren. Diese gehört nicht dazu. Die hier versammelten Positionen unterscheiden sich in nahezu allem: in ihrer Bildsprache, ihren Materialien, ihren kunsthistorischen Referenzen und ihren Strategien des Sehens. Gerade deshalb bilden sie ein bemerkenswert präzises Bild der Gegenwart. Denn unsere Zeit ist nicht von Einheit geprägt, sondern von Gleichzeitigkeit. Unterschiedliche Wirklichkeiten, Haltungen und Wahrnehmungsformen existieren nebeneinander, überlagern sich, beeinflussen sich gegenseitig und erzeugen dabei ein komplexes Ganzes, das sich jeder einfachen Beschreibung entzieht. Die Arbeiten von Tobias Degel, Trisha Kanellopoulos, Christine Loew, Tobi Olsen und Brigitte Puschmann stehen exemplarisch für diese Vielfalt. Jede Position besitzt eine unverwechselbare Handschrift, jede scheint auf den ersten Blick klar lesbar und in einer bestimmten Tradition verortbar. Genau darin liegt jedoch die Versuchung, zu schnell zu glauben, man habe bereits verstanden, was man sieht.
„Zu früh für Gewissheit“ richtet sich daher weniger auf die Werke als auf unseren Blick auf sie. Die Ausstellung schlägt vor, die erste Orientierung nicht mit Erkenntnis zu verwechseln. Sie lädt dazu ein, hinter den vertrauten Kategorien von Figuration und Abstraktion, Geste und System, Material und Zeichen weiterzusehen und die Beziehungen wahrzunehmen, die zwischen den Arbeiten entstehen. Erst im Zusammenspiel entfalten die Werke ihre eigentliche Kraft. Nicht weil sie dieselbe Geschichte erzählen, sondern weil sie gemeinsam sichtbar machen, wie vielschichtig Wirklichkeit geworden ist. Was zunächst als Sammlung einzelner Positionen erscheint, verdichtet sich zu einem Panorama unserer Zeit: widersprüchlich, offen, voller Referenzen und dennoch niemals vollständig erfassbar. Die Ausstellung plädiert deshalb nicht für Unsicherheit, sondern für Aufmerksamkeit. Für die Bereitschaft, Urteile aufzuschieben und die Möglichkeit zuzulassen, dass die Welt größer ist als die Begriffe, mit denen wir sie gewöhnlich beschreiben.
Vielleicht erzählt diese Ausstellung deshalb auch etwas über unsere Gegenwart. Nicht, weil sie aktuelle Ereignisse illustriert, sondern weil sie eine Erfahrung teilt, die viele Menschen heute kennen: Die Welt erscheint gleichzeitig vertraut und fremd, überschaubar und unendlich komplex. Je mehr wir zu wissen glauben, desto deutlicher wird, wie vieles sich noch in Bewegung befindet. Die Arbeiten dieser Ausstellung antworten darauf nicht mit Erklärungen, sondern mit Aufmerksamkeit. Sie erinnern daran, dass Wirklichkeit kein fertiger Zustand ist, sondern etwas, das sich unaufhörlich neu zusammensetzt. Genau darin liegt ihre Aktualität – und vielleicht auch ihre Hoffnung.

