Gottfried Römer betreibt eine radikale Rückführung der Fotografie auf ihr ureigenstes Wesen: das Malen mit Licht. Seine Arbeiten – sowohl die figurativen als auch die landschaftlichen – entstehen aus Bewegung, aus einem kontrollierten Taumel zwischen Intuition und Formbewusstsein. Während des fotografischen Akts wird die Kamera zum Pinsel, der Raum zur Leinwand, der Körper zum Resonanzraum. Römer fotografiert nicht, er malt Bilder. Doch nur ein einziger Moment, One Shot, ist erlaubt – ohne digitale Nachbearbeitung. Was entsteht, ist reine Essenz. In seinen figurativen Arbeiten (u. a. as time goes by, ascension, dance phantasie) oszillieren die menschlichen Formen zwischen Sichtbarkeit und Auflösung. Die Körper entziehen sich dem Realismus, sie werden – wie bei Bacon oder Feininger – zu emotional aufgeladenen Farbräumen. Die Bewegung wird zur Offenbarung innerer Zustände.
gottfried römer
ich suche was bewegt.
Stoffe, Haut, Licht – alles zirkuliert, vibriert, pulsiert. Es ist ein Dialog von Modell und Fotograf, bei dem Vertrauen zur Voraussetzung und Ekstase zum Resultat wird. Die Landschaftsbilder (sylt entschleunigt, sylt sturm, klappholtal watt) wirken wie entgrenzte Erinnerungen – fließende Horizonte, vibrierende Dünen, gestisch aufgeladene Farbflächen. Sie zitieren Turner, Constable, bisweilen Friedrich, transformieren deren romantischen Sehnsuchtsräume aber in fotografische Unschärfen. Römer lässt alles Konkrete hinter sich – zugunsten einer kontemplativen Reduktion: Licht wird Stimmung, Bewegung wird Atmosphäre. Sein Werk steht damit in der Linie der Malerei, ohne den Anspruch der Fotografie zu verlieren. Es ist ein transmediales Statement über das Sehen selbst. Römer sucht nicht das Motiv – er sucht, was ihn bewegt. Und genau das beginnt zu leuchten.
Artist
Fabian Dehi
- Newcoomer
- Hohes Sammlerpotenzial
Exhibition
April 2026 Munich, „IT´S A SIN – what do u think?“
Publikationen
„ICH SUCHE WAS BEWEGT”, 2025.
163 ONE SIX THREE | art in print Verlag
Arbeiten im Atelier
Das Sichtbare vergeht – das
Bewegte bleibt.
Klassische Fotografie friert den Moment ein. Gottfried Römers Bilder hingegen setzen ihn in Bewegung: Sie zeigen nicht einen
fixierten Augenblick, sondern ein Davor, ein Jetzt und ein Danach. Seine Fotografie ist kein Stillstand, sondern Zeit in Verdichtung. Ein Bild, das spürbar macht, was bleibt.
Der Kameramaler.
Gottfried Römer bezeichnet sich selbst als “Maler-Fotograf” – ein Begriff, der nicht aus Prätentiösität geboren ist, sondern als selbstbewusste Positionierung innerhalb eines bildkünstlerischen Diskurses verstanden werden muss. Römers Werk ist keine Fotografie im herkömmlichen Sinn, sondern ein bildnerischer Prozess, der sich die Mittel der Fotografie aneignet, um malerische Wirkungen zu erzeugen. Es ist eine Gegenbewegung zur digitalen Überproduktion, zur steril perfektionierten Hochglanzästhetik der Gegenwart. Stattdessen: One Shot. Eine Bewegung. Ein Bild. Kein Photoshop. Kein Retuschewahn. Kein Fake. Was bleibt, ist ein fotografischer Akt, der den Zufall umarmt und gleichzeitig kompositorisch kontrolliert ist – vergleichbar mit der Arbeitsweise der klassischen Moderne. Seine figurativen Bilder erinnern in ihrer Auflösung an Feininger, in ihrer emotionalen Farbraumgestaltung an Francis Bacon oder Edvard Munch. Die körperliche Figuration wird nicht dokumentiert, sondern als vibrierende Form im Raum imaginiert. Römer fotografiert nicht den Menschen, er fotografiert dessen Bewegung, dessen Stimmung, dessen Werden.
In As Time Goes By erscheint ein weiblicher Körper wie in Bewegung getaucht – umhüllt von vibrierenden Farbströmen in Blau, Türkis und Grün. Die Figur steht aufrecht, halb erkennbar, halb entrückt. Beine und Haare lösen sich auf, das Gesicht bleibt anonym. Die Kamera, während der Belichtung bewegt, erschafft keinen Stillstand, sondern ein visuelles Fließen – als würde Zeit selbst sichtbar gemacht. Dieses Werk ist exemplarisch für Gottfried Römers figürliche Serie: keine Pose, kein Porträt, sondern ein Abdruck von Bewegung und Gefühl. Die Technik des Intentional Camera Movement verwandelt den Körper in Energie – in eine Spur, die weit über das Sichtbare hinausweist. Kunsthistorisch steht As Time Goes By im Dialog mit den Futuristen wie Balla, dem Farbgefühl Turners oder Bacons emotional aufgeladener Figuration. Doch Römer geht einen eigenen Weg: Er malt mit der Kamera – intuitiv, radikal, poetisch. Der Titel verweist nicht nur auf Vergänglichkeit, sondern auch auf ein anderes Zeiterleben: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verdichten sich zu einem einzigen atmenden Bild. Was bleibt, ist nicht das Sichtbare – sondern das Bewegte.
DANCE FANTASY, 2023
Der Moment ist nur greifbar, wenn er fließt.
DANCE FANTASY, 2023, Detail
You, He, She, Me. Feel Free.
exhibitions und bio
2025
C.A.R, contemporary art ruhr, Zeche Zollverein Essen, Germany
WILDE MISCHUNG 5, Gruppenausstellung, Pasinger Fabrik, München
Solo-show, Hotel Rungholt, Kampen (Sylt)
2024
MENSCHENSKIND, Gruppenausstellung, konsum163, München, Germany
THE ONE, Gruppenausstellungkonsum163, München, Germany
Solo-show, Hotel Rungholt, Kampen (Sylt)
2023
Hotel Rungholt, Kampen (Sylt),
Watermark Galleries, Long Island, New York
2022
Caroussel du Louvre, Paris
Hotel Rungholt, Kampen (Sylt)
Watermark Galleries, Long Island, New York
2020
„The Body Language“, Palazzo Ca’ Zanardi, Venice
2019
Florenz Biennale, Winner of a prize for photography
Little Treasures, Galleria de Marchi, Bologna
Galerie auf dem Schiffenberg, Gießen
Galerie Achtzig, Berlin
SEHEN UND SEIN, A-ROSA Resort List, Sylt
Spectrum, Art Fair, Miami
ART MINE, New York City
AGORA Gallery, Chelsea, New York
2017
Real Fiction, A-ROSA Resort List, Sylt
2016
Magic Moments, A-ROSA Resort List, Sylt
Manne Pahl, Kampen, Sylt
Art Place, Alexanderplatz, Berlin
Kurhaus „Haus am Kliff“, Wenningstedt/Sylt
2015
Grünberg, Barfüßerkloster
Kunst in Scheunen, Lich
Kulturladen Eberstadt
Haus der Augustinerinnen, Köln
2014
Unikatum, Westerland, Sylt
2013
Oberhessische Kunstausstellung, Grünberg
Kunst in Scheunen, Ausstellung in Lich,
Footpower, Gießen
2012
Oberhessische Kunstausstellung, Grünberg
Galerie Palais, Lich
GRENZGÄNGER. Gottfried Römer, geboren in Gießen, ist Fotograf, Maler im Geiste und Grenzgänger zwischen den Disziplinen. Seine künstlerische Laufbahn begann klassisch – konkret, gegenständlich, dokumentarisch. Doch ein unscheinbarer Moment veränderte alles: Auf einer Zugfahrt nach Berlin hielt er mit der Kamera die vorbeiziehende Landschaft fest. Die Bilder, zunächst als verwackelt abgetan, offenbarten bei näherer Betrachtung etwas Tieferes – eine neue Art zu sehen. Aus dem Zufall wurde Methode, aus der Bewegung eine Handschrift. Römer entwickelte daraus seine charakteristische Bildsprache: One Shot, keine digitale Nachbearbeitung, reine Lichtmalerei in Bewegung. Seine Werke entstehen aus einem Dialog zwischen Intuition und Präzision, zwischen Emotion und Form. Die figürlichen Serien – oft in seinem Studio mit Musik, Spiegeln und Stoffen – zeigen Menschen nicht, wie sie aussehen, sondern wie sie sich im Augenblick der Selbstbegegnung zeigen. Die Landschaften, vor allem von Sylt, sind meditative Lichtgesten, Erinnerungen an Wind, Zeit und Stille.Römers Arbeiten wurden vielfach international ausgestellt, unter anderem im Palazzo Ca’ Zanardi in Venedig, auf der Florenz Biennale (wo er 2019 mit einem Preis für Fotografie ausgezeichnet wurde), im Carrousel du Louvre in Paris, in der Agora Gallery in New York sowie regelmäßig auf Sylt und in deutschen Galerien wie der Galerie konsum163 contemporary.Seine Bilder werden international gesammelt und gehandelt. Römer lebt und arbeitet in Gießen – und überall dort, wo sich etwas bewegt.















